Was tun, wenn Microsoft wegen Viren anruft?

7. Apr. 2021 | Allgemein, Onlinekompetenz

"Microsoft" verlangt Bankdaten?

Darauf reingefallen? So lässt sich Schaden verhindern

Sie geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus und schüchtern psychologisch geschickt willkürlich ausgewählte Computerbesitzer ein, um an Bankdaten und Kreditkartenangaben zu kommen. Ihre Vorgehensweise hat derart viel Erfolg, dass wieder einmal dringend vor ihnen gewarnt werden muss!

Meine Mutter geht grossartig mit dem Computer um. Ich kenne nur wenige 85 Jährige, die ganz selbstverständlich ihre Bankgeschäfte und Steuererklärungen online erledigen und auf dem Smartphone souverän die verschiedenen Anwendungen oder Games nutzen. Meine Mutter kann das, sie hat den Durchblick.

Doch diese Woche kam sie völlig aufgelöst zu mir (sie wohnt gleich nebenan) und hielt mir ihr Telefon hin. Sie hätte jemanden von Microsoft in der Leitung, weil ihr Computer offenbar gehackt worden sei und dieser so schnell als möglich vom Virus befreit werden müsse. Nun solle sie dringend in die Migros fahren, um sich dort eine Google-Play-Karte zu besorgen.

"Du musst...was??" Misstrauisch nahm ich das Telefon entgegen, denn ich erinnerte mich an einen ähnlich suspekten Anruf, den ich selber vor einigen Jahren entgegengenommen hatte.

Wer ich sei und ob ich Englisch sprechen könne, fragte mich eine weibliche Stimme in gebrochenem Deutsch, noch während ich auf dem Weg zum angeblich gehackten Computer war. Beim Computer angelangt fiel mir auf, dass ich mich darin selber sehen konnte. "What the f...". Schnell deckte ich die Kamera mit einem Blatt Papier ab. Dann schloss ich diese App mit dem Taskmanager, weil ich den Schliessen-Button nicht auf Anhieb finden konnte. Ich ahnte Böses und wimmelte die Anrufende zackig ab.

Betrugs-Anruf von Microsoft

Eine ganz fiese Masche

Und nun berichtete mir meine Mutter, was genau passiert war. Sie musste zuerst verarbeiten, dass ihr Computer nicht virenbefallen war und sie sich nun volle zwei Stunden auf eine Betrügerin eingelassen hatte! Denn die Masche dieser Verbrecherbande ist wirklich fies. Sie wickeln die Angerufenen derart forsch in das Gespräch ein, dass diese kaum Zeit haben, einen klaren Gedanken zu finden. Schlimm daran ist also nicht nur, dass die Betrogenen ausgeraubt werden, sondern dass sie sich auch noch unglaublich schämen, weil sie diesen Verbrechern auf den Leim gegangen sind. Gerade für ältere Leute ist dies ein Schock, den sie nur schwer verkraften.

Onlinebanking, Kredit- und Google Play-Karte

Offenbar zu Beginn des Gesprächs wurde meine Mutter aufgefordert, den Teamviewer für den Fernzugriff zu installieren. Kompliment - ich weiss nicht, wie sie dies unter diesem Druck geschafft hat. Leider hatte die ominöse 'Helferin' dadurch aber auch vollen Zugriff auf den Computer.

Nun musste meine Mutter sich im Onlinebanking einloggen, wo selbstverständlich der aktuelle Kontostand ersichtlich war. Microsoft würde ihr gleich CHF 1'000.- überweisen. Diese müsse sie ihnen aber zurücküberweisen. Am Besten gleich mit der Kreditkarte, ob sie diese mal vor die Kamera halten könne.  Vorder- und Rückseite, selbstverständlich.

Offenbar hat die 'Helferin' daraufhin bemerkt, dass etwas mit der Karte nicht stimmte und so forderte sie meine Mutter dazu auf, sich im nächstgelegenen Supermarkt eine Google-Play-Karte im Wert von CHF 1'000.- zu besorgen. Die 'nette Dame' würde solange warten.

Während dieser ganzen Zeit hatte meine Mutter zwei Mal versucht, mich zu finden. Endlich klappte es und ich konnte diese unglaubliche Situation stoppen.

Schadensbegrenzung

Nun galt es herauszufinden, welchen Schaden die Anrufende bereits angerichtet hatte:

  • Wurde im Onlinebanking eine Zahlung ausgelöst? Mann hätte diese noch stoppen können, aber glücklicherweise war hier nichts auffällig.
  • Konnte das Bank-Login abgegriffen werden? Sicherheitshalber machten wir das Login unbrauchbar, so dass die Bank das Login neu freischalten muss.
  • Wurden Programme installiert? Unter den letzten installierten Programmen war eigentlich nur der Teamviewer auffällig, den wir vorsichtshalber entfernten.
  • Wurden Viren hochgeladen? Ein Durchlauf von McAffee-Virenscanner und vom CCleaner zeigte keine Funde an.
  • Wurden Passwörter abgegriffen? Sämtliche genutzten Passwörter (Emailkonto, Onlinebanking, Onlinedienste) wurden zeitnah geändert (das macht man eh viel zu selten)!
  • Könnte sonst noch ein Virus versteckt worden sein? allfällige weitere Schadsoftware? (Antwort und allenfalls Tipp von Christoph erhofft)
  • Muss die Kreditkarte gesperrt werden? Wir haben das Kreditkarteninsitut gefragt und hatten:

Glück im Unglück

Den Anruf ans Kreditkarteninsitut übernahm ich. Ja, sie hätten uns geholfen, die nötigen Massnahmen zu treffen und allenfalls die Kreditkarte zu sperren. Nachdem der freundliche Herr die Identität meiner Eltern gecheckt hatte, sah er auf dem entsprechenden Konto nach. Und dann kam das grosse Grinsen:

Meinen Eltern wurde anfangs Jahr eine neue Kreditkarte zugestellt und das Schicksal (oder der Schutzengel) wollten es so, dass sie irrtümlicherweise die NEUE Karte fortgeworfen und die alte wieder eingesteckt haben! GROSSARTIG! Wie muss es die Anruferin geärgert haben, dass mit dieser Karte keine Bezüge gemacht werden konnten! 😉

Die Bank gibt Auskunft

Noch den Schreck in den Knochen liess sich meine Mutter von ihrer Hausbank beraten. Diese sagten ihr, dass die Bank das Konto in die Überwachung aufnehmen, damit bei auffälligen Buchungen sofort reagiert werden könne.

Leider seien die Fake-Microsoft-Mitarbeiter aktuell sehr aktiv und mit der Masche so erfolgreich, dass die Bank sich um sehr viele solcher Fälle kümmern müsse!

Hartnäckige Anrufer

Dass die Anruferin bislang ihr verbrecherisches Ansinnen nicht erfolgreich durchziehen konnte, zeigt sich daran, dass immer wieder angerufen wird, wobei die Stimmen wechseln.

Nun wäre es natürlich von Vorteil, den entsprechenden Nummernblock gleich zu sperren, aber dazu benötigt es eine entsprechende Telefonanlage. Ich habe meiner Mutter geraten, eine Trillerpfeife neben das Telefon zu legen und bei jedem neuen Anruf ihren ganzen Frust in den Hörer zu trillern! Die werden Ohren machen!


Dass solche betrügerischen Anrufe öfter Erfolg haben, als man denken könnte, zeigt auch das Internet, wenn man sich durch die entsprechenden Suchbegriffe googelt. So schreibt der Verbraucherschutz in seinem entsprechenden Ratgeber:

Betrug im Namen von Microsoft erkennen, verhindern, melden & beseitigen

"... Ziel der Kriminellen ist es häufig, dass eine Fernsteuerungssoftware heruntergeladen werden soll. Ist das einmal geschehen, können die Kriminellen einen Vollzugriff auf den Computer erhalten. Anschließend können die Betrüger schädliche Software installieren. Diese Software durchläuft ähnlich wie ein Virenscanner die auf dem System befindlichen Dateien und filtert Daten mit persönlichen Informationen, Bankverbindungen und Kreditkartendaten heraus. Des Weiteren können Programme installiert werden, die sogenannte Pop-ups öffnen, auf andere Seiten umleiten oder Malware installieren."

Das Redaktionsnetz Deutschland rät:

"...Wer den Betrug zu spät erkannt und bereits ein Programm installiert hat, dem rät die Verbraucherzentrale, den Computer vom Internet zu trennen, herunterzufahren und sich an einen Experten zu wenden, der das Gerät überprüft. Möglicherweise ist eine Formatierung des Rechners vonnöten...."

"... Den Scam sollten Betroffene an die örtliche Polizei melden. ... Zusätzlich bietet Microsoft die Möglichkeit, den Betrug in einem Onlineformular zu melden..."

Über die Autorin

Beatrice Hohl ist Geschäftsführerin der fourelse ag und verantwortlich für 4else. Sie schreibt hier aus der praktischen Arbeit mit der Plattform, ihren Nutzern und rund um Event- und Teilnehmermanagement.

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