Wie sieht eine KI Deine Website? Mein Praxistest mit Limen

31. Juli 2026 | Onlinekompetenz, Tools

Wie sieht eine KI Deine Website?

Mein Praxistest mit Limen

Über viele Jahre war die wichtigste Frage bei einer Website: Wie gut wird sie von Google gefunden?

Wir optimierten Seitentitel, Meta-Beschreibungen, Überschriften, Schlüsselwörter und Ladezeiten. Wir versuchten zu verstehen, was Menschen in das Suchfeld eingeben und sorgten mit Hilfe bezahlter Plugins dafür, dass unsere Inhalte möglichst weit oben in den Suchergebnissen erschienen.

Doch irgendwann nach 2020 hat sich die Art, wie Menschen im Internet nach Informationen suchen, verändert. Zur gleichen Zeit, als die Menschen die unfassbare Technologie der künstlichen Intelligenz (KI) entdeckten, fand eine mentale Revolution statt: Leute vertrauten Google nicht mehr; es wurde bekannt, wie sehr Suchergebnisse nicht nur von marketingtechnischen Finessen beeinflusst wurden, sondern massiv durch eine politische Agenda instrumentalisiert wurden. Wer keine Lust mehr auf vorgesetzte Narrative hatte, wich auf alternative Browser aus und ist bei DuckDuckGo, Brave oder anderen Alternativen gelandet. Parallel dazu integrierten alternative Browser eigene KI-Assistenten – beispielsweise Leo von Brave – und eröffneten damit einen weiteren direkten Zugang zu KI-gestützten Antworten. So mussten sich die Nutzer nicht mehr durch eine Liste von Links klicken, sondern stellten ihre Frage direkt an Leo, ChatGPT, Perplexity, Gemini oder eine andere KI.

Nutzer fragen beispielsweise nicht mehr nur:

„Eventmanagement Software Schweiz“

Sondern direkt:

„Welche Schweizer Lösung eignet sich für kleine Veranstalter, die Anmeldungen, Teilnehmerverwaltung und Onlinezahlungen ohne komplizierte Einrichtung organisieren möchten?“

Die KI liefert darauf keine klassische Trefferliste, sondern eine zusammengefasste Antwort, häufig ergänzt mit konkreten Empfehlungen.

Damit stellt sich für Websitebetreiber eine neue Frage:

Versteht eine KI überhaupt, was wir anbieten – und würde sie uns empfehlen?

Genau das wollte ich mit Limen herausfinden.

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SEO allein genügt nicht mehr

Eine Website kann bei Google durchaus gut positioniert sein und trotzdem von einer KI falsch, unvollständig oder gar nicht eingeordnet werden. Der Grund dafür ist eigentlich einfach:

Eine KI sucht nicht nur nach bestimmten Schlüsselwörtern. Sie versucht, Zusammenhänge zu verstehen.

  • Was bietet dieses Unternehmen an?
  • Für wen ist das Angebot gedacht?
  • Was kostet es?
  • In welchem Land ist der Anbieter tätig?
  • Welche Funktionen sind enthalten?
  • Wie werden Daten verarbeitet?
  • Welche Erfahrungen und Vertrauenssignale sind vorhanden?
  • Und vor allem: Passt dieses Angebot zur konkreten Frage des Nutzers?

Fehlen solche Informationen oder sind sie über mehrere Seiten verstreut, muss die KI Lücken selbst interpretieren. Dabei kann sie zu einem falschen Schluss kommen oder einen anderen Anbieter bevorzugen, dessen Website eindeutigere Antworten liefert.

In diesem Zusammenhang wird zunehmend von GEO – Generative Engine Optimization gesprochen. Gemeint ist die Optimierung von Inhalten für KI-gestützte Such- und Antwortsysteme.

Limen möchte sichtbar machen, wie gut eine Website dafür bereits vorbereitet ist.

Mein erster Test: 4else.events

Als erste Website liess ich 4else.events analysieren.

Die Seite stellt meine eigene Schweizer Lösung für Veranstalter vor. Mit 4else lassen sich Veranstaltungen ausschreiben, Anmeldungen verwalten, Teilnehmende organisieren und – je nach Bedarf – auch Tickets beziehungsweise Onlinezahlungen abwickeln.

Ich kenne das Angebot natürlich in- und auswendig. Für mich war deshalb vieles vollkommen logisch. Alles war so selbstverständlich, dass ich die Sicht des Nutzers beinahe aus den Augen verloren hatte! 

Wer ein Produkt selbst entwickelt oder seit Jahren damit arbeitet, ergänzt fehlende Informationen im Kopf automatisch. Man weiss, wie die einzelnen Angebote zusammengehören, welche Funktionen enthalten sind und für wen die Lösung gedacht ist.

Eine KI kann jedoch nur das beurteilen, was auf der Website tatsächlich auffindbar und verständlich beschrieben ist.

Der Limen-Scan zeigte deshalb nicht einfach nur technische Fehler. Er stellte Fragen, die mich teilweise zunächst etwas irritierten:

  • Sind die Leistungen klar voneinander abgegrenzt?
  • Werden die Kosten nachvollziehbar erklärt?
  • Ist ersichtlich, welche Zahlungsmethoden unterstützt werden?
  • Wo werden die Daten gespeichert?
  • Was geschieht mit den Daten nach einer Veranstaltung?
  • Gibt es Informationen zum Anbieter und zum Team?
  • Sind genügend Vertrauenssignale vorhanden?
  • Werden häufige Fragen direkt beantwortet?

Meine spontane Reaktion war bei einigen Punkten sinngemäss:

„Aber das steht doch auf der Website!“

Beim genaueren Hinsehen musste ich allerdings feststellen: Ja, einiges stand irgendwo. Aber nicht immer dort, wo man es erwarten würde. Manches war nur indirekt formuliert, über mehrere Seiten verteilt oder aus Sicht eines neuen Besuchers nicht eindeutig genug.

Aus dem Scan wurde echte Arbeit

Damit war der Test nicht einfach eine interessante Spielerei. Er führte zu konkreten Anpassungen. Ich überarbeitete Einstiege und Erklärungen, grenzte die verschiedenen Angebote klarer voneinander ab und ergänzte Informationen, die für mich zwar selbstverständlich, für einen neuen Besucher aber keineswegs offensichtlich waren.

Besonders hilfreich war die Erkenntnis, dass eine gute FAQ-Seite heute weit mehr ist als ein Service für ungeduldige Websitebesucher.

Klar formulierte Fragen und Antworten liefern auch KI-Systemen wertvollen Kontext. Sie helfen ihnen zu verstehen, wie ein Angebot funktioniert, für wen es geeignet ist und wo seine Grenzen liegen.

So wurden unter anderem folgende Punkte verständlicher dargestellt:

  • Welche Funktionen 4else bietet
  • Welche Varianten der Nutzung möglich sind
  • Wie sich die Kosten zusammensetzen
  • Welche Onlinezahlungsmethoden unterstützt werden
  • Wo die Daten gespeichert werden
  • Was mit den Daten nach einer Veranstaltung geschieht
  • Wer hinter dem Angebot steht
  • Wie die technische Betreuung und Weiterentwicklung sichergestellt werden

Auch beim Thema Team gab es einen interessanten Denkprozess. Hinter 4else steht keine grosse anonyme Organisation, sondern ich als verantwortliche Ansprechpartnerin, unterstützt durch meinen langjährigen technischen Entwicklungspartner. Das möchte ich ehrlich darstellen. Gleichzeitig soll die Website nicht den Eindruck erwecken, das gesamte Angebot hänge ungesichert an einer einzigen Person.

Die Lösung war keine künstliche Aufblähung des Teams, sondern eine präzisere Beschreibung der tatsächlichen Zusammenarbeit und Verantwortlichkeiten.

Genau darin sehe ich eine Stärke des Scans: Er zwingt einen nicht dazu, etwas grösser erscheinen zu lassen, als es ist. Er zeigt vielmehr, wo Vertrauen durch fehlende oder unklare Informationen verloren gehen könnte.

Der zweite Test: PASSION

Nach den positiven Erfahrungen mit 4else wollte ich wissen, wie Limen mit einer vollkommen anders aufgebauten Website umgeht.

Dafür analysierte ich PASSION – das Schweizer Online-Magazin rund ums Pferd.

Diese Seite hatte ich kurz zuvor von DIVI4 auf DIVI5 angehoben, was einem Major Update entspricht und viele Neuerungen mit sich gebracht hat. Ich nahm diesen Umbau zum Anlass, auch die Startseite zu überarbeiten, wozu ich ChatGPT als Sparringpartner für meine Gedankengänge nutzte.

Das Ergebnis war ebenfalls interessant, zeigte aber zugleich die Grenzen eines automatisierten Scans.

Eine Magazinwebsite besteht aus vielen einzelnen Artikeln. Diese behandeln jeweils ein bestimmtes Thema und sind nicht als Verkaufs- oder Angebotsseiten gedacht. Informationen über das Magazin, die Herausgeberin oder weitere Inhalte befinden sich an anderen Stellen der Website.

Limen bewertete einzelne Beiträge teilweise relativ isoliert. Dadurch entstanden Empfehlungen, die im Gesamtkontext nicht immer sinnvoll waren. Bei einzelnen Artikeln wurden beispielsweise zusätzliche Informationen oder Vertrauenselemente vermisst, obwohl diese auf der übergeordneten Website durchaus vorhanden waren.

Das ist nachvollziehbar: Auch eine Suchmaschine oder KI kann über einen einzelnen Artikel direkt auf eine Website gelangen. Trotzdem wäre es weder sinnvoll noch leserfreundlich, jeden Magazinbeitrag mit sämtlichen allgemeinen Informationen über das Gesamtprojekt zu überladen.

Hier zeigte sich deutlich:

Ein Scan kann auf mögliche Schwachstellen hinweisen – aber er kennt nicht automatisch die publizistische Absicht jeder einzelnen Seite.

Die Ergebnisse müssen deshalb eingeordnet werden.

Nicht jede Empfehlung muss umgesetzt werden

Limen liefert keine göttliche Wahrheit über eine Website. Und auch ein hoher oder tiefer Wert ist kein endgültiges Qualitätsurteil.

Ein automatisiertes System erkennt Muster, fehlende Angaben und mögliche Unklarheiten. Es weiss jedoch nicht in jedem Fall, warum eine Seite so aufgebaut wurde, wie sie aufgebaut ist.

Bei einer Produktwebsite wie 4else waren viele Hinweise direkt verwertbar. Bei einem Online-Magazin wie PASSION musste ich stärker unterscheiden:

  • Ist die beanstandete Information tatsächlich nicht vorhanden?
  • Ist sie lediglich an einer anderen Stelle zu finden?
  • Muss sie auf dieser konkreten Seite überhaupt stehen?
  • Würde eine Ergänzung den Leser unterstützen oder den Artikel nur unnötig aufblähen?
  • Handelt es sich um ein echtes Problem oder um eine Fehlinterpretation des Scanners?

Diese Prüfung kann und sollte kein Werkzeug vollständig übernehmen.

Gerade deshalb fand ich den Vergleich der beiden Websites so wertvoll. Er zeigte sowohl den praktischen Nutzen als auch die Grenzen des Systems.

Der überraschendste Nutzen

Mein grösstes Aha-Erlebnis war nicht eine einzelne technische Empfehlung.

Es war der Perspektivwechsel.

Ich hatte meine Websites bisher vor allem mit den Augen von Menschen und Suchmaschinen betrachtet. Limen brachte eine dritte Perspektive hinzu:

Was kann eine KI aus den vorhandenen Informationen zuverlässig ableiten?

Dabei geht es nicht darum, Texte künftig für Maschinen statt für Menschen zu schreiben. Im Gegenteil: Viele der empfohlenen Verbesserungen helfen beiden.

Klare Aussagen, verständliche Preise, nachvollziehbare Leistungen, gut aufgebaute FAQ, transparente Zuständigkeiten und konkrete Antworten sind auch für menschliche Besucher angenehm.

Eine Website, die von einer KI besser verstanden wird, ist deshalb häufig auch für Menschen verständlicher.

Für wen könnte ein solcher Scan interessant sein?

Besonders sinnvoll erscheint mir die Analyse für Websites, auf denen konkrete Leistungen, Produkte oder Mitgliedschaften angeboten werden.

Beispielsweise für:

  • Dienstleister und Beratungsunternehmen
  • Kursanbieter und Veranstalter
  • Onlineshops
  • Softwareunternehmen
  • Verbände und Vereine
  • Praxen und spezialisierte Fachangebote
  • Plattformen und Mitgliederbereiche

Wer seine Website selbst aufgebaut hat oder schon lange mit ihr arbeitet, profitiert wahrscheinlich besonders. Denn gerade dann ist die Gefahr gross, dass man vorhandene Wissenslücken nicht mehr erkennt.

Der Scan ersetzt weder eine professionelle Websiteanalyse noch gesunden Menschenverstand. Aber er kann Fragen stellen, auf die man selbst nicht gekommen wäre.

Wo ich sogar eine besondere Chance sehe für Limen : Ein Scan könnte bei der Übergabe einer neu designten Webseite ein Qualitätslabel sein. Er kann belegen, dass der Webdesigner nicht nur an eine überzeugende Optik gedacht und die gewünschten Informationen eingearbeitet hat, sondern auch, dass er die Webseite so gebaut hat, dass sie jetzt und in Zukunft gefunden wird.  Damit entstünde quasi ein neues Qualitätslabel: "geprüft mit Limen" 🏷️

Mein  Test mit Limen hat sich gelohnt.

Bei 4else.events entstanden daraus zahlreiche konkrete Verbesserungen. Die Website erklärt das Angebot heute klarer und beantwortet wichtige Fragen direkter als zuvor.

Beim PASSION-Magazin zeigte sich hingegen, dass nicht jede automatisierte Bewertung zum Aufbau und Zweck einer Website passt. Einzelne Empfehlungen waren hilfreich, andere mussten relativiert oder bewusst verworfen werden.

Genau so sollte ein solches Werkzeug meiner Meinung nach genutzt werden: nicht als Richter über eine Website, sondern als kritischer zusätzlicher Blick von aussen.

Limen zeigt, welche Informationen ein KI-System findet, welche Zusammenhänge es erkennt und wo Unsicherheiten bleiben. Was davon tatsächlich angepasst werden sollte, muss weiterhin ein Mensch entscheiden.

Oder etwas kürzer gesagt:

Der Scan denkt nicht für mich – aber er bringt mich zum Nachdenken.

Und das ist angesichts der Veränderungen bei der Internetsuche ausgesprochen wertvoll.

Hinweis: Dieser Beitrag beruht auf meinem persönlichen Praxistest mit zwei sehr unterschiedlichen Websites. Limen und die enthaltenen Funktionen werden laufend weiterentwickelt.

Der Entwickler der Software ist mir persönlich bekannt, da er im 2016 die Onlineplattform 4my.horse nach unseren Wünschen entwickelt und in Drupal umgesetzt hat. Die ursprüngliche Plattform mussten wir während Corona aufgeben. Ihre Idee lebt nun aber in abgespeckter Form und in Verbindung mit passion.4my.horse weiter. Beide Plattformen wurden von mir mit WordPress umgesetzt. 

Es begeistert mich, wenn jemand ein cooles Tool entwickelt und Innovation lebt! Ich wünsche Limen daher viel Erfolg!

Über die Autorin

Beatrice Hohl ist Geschäftsführerin der fourelse ag und verantwortlich für 4else. Sie schreibt hier aus der praktischen Arbeit mit der Plattform, ihren Nutzern und rund um Event- und Teilnehmermanagement.

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